7.2 n × n-Determinanten
Definition (Determinantenfunktion, Determinante einer n × n-Matrix)
Seien K ein Körper und n ≥ 1. Dann heißt eine Abbildung det : Kn × n → K eine Determinantenfunktion auf Kn × n, falls gilt:
Multilinearität in den Spalten
Für alle 1 ≤ k ≤ n und alle a1, …, ak, ak + 1, …, an ∈ Kn ist die Abbildung
det : Kn → K
linear.
Alternation
Für A ∈ Kn × n mit zwei gleichen Spalten gilt det A = 0.
Normiertheit
Es gilt det En = 1.
Aus den Determinantenaxiomen
„multilinear, alternierend, normiert“
lassen sich herleiten:
det(diag(d1, …, dn)) = d1 · … · dn. (Diagonalprodukt I)
Ist Wij(λ), i ≠ j, ein Additionstyp (vgl. 5. 6), so gilt
det(AWij(λ)) = det(A). (Spaltenaddition)
Ist Pij eine Transpositionsmatrix (vgl. 5. 7), so gilt
det(A Pij) = −det(A). (Spaltentausch)
det(A) ≠ 0 genau dann, wenn A ∈ GL(n, K). (Invertierbarkeit)
Die Determinante einer oberen bzw. unteren Dreiecksmatrix ist das Produkt der Diagonaleinträge. (Diagonalprodukt II)
det(λ A) = λn det A, det(− A) = (−1)n det(A). (Skalierung)
Wie im Fall n = 2 bleibt eine Determinante also bei der Addition des λ-fachen einer Spalte zu einer anderen gleich, während sie beim Tausch zweier Spalten ihr Vorzeichen ändert. Wir werden später sehen, dass diese Eigenschaften auch für die Zeilen gelten.
Die Regeln für Diagonalmatrizen, für Spaltenadditionen und für Spaltenvertauschungen lassen sich wie im Fall n = 2 einsehen. Damit können wir zeigen:
Invertierbarkeit = Nichtverschwinden der Determinante
Ist A nicht invertierbar, so ist eine Spalte ak von A eine Linearkombination der anderen. Aufgrund der Multilinearität und der Alternation der Determinante gilt dann
(+) det A = det = 0.
Ist A invertierbar, so lässt sich A mit Hilfe von Spaltenadditionen Wij(λ), i ≠ j, in eine Diagonalmatrix B mit Diagonaleinträgen bii ≠ 0 überführen. Die Determinante bleibt dabei gleich. Damit gilt
(++) det A = det B = b11 · … · bnn ≠ 0.
Die Argumentation liefert mehr:
Existenz- und Eindeutigkeitssatz
Für alle n ≥ 1 existiert genau eine Determinantenfunktion auf dem Kn × n.
Denn auf den singulären Matrizen sind Determinantenfunktionen det und det′ gleich 0. Und für eine invertierbare Matrix A gilt det A = b11 · … · bnn = det′ A, da wir zur Herleitung von (++) nur die Determinantenaxiome eingesetzt haben. Umgekehrt können wir (+) und (++) zur Definition von det(A) verwenden und dann die Determinantenaxiome beweisen (wobei die Multilinearität etwas Arbeit erfordert). Andere Beweise der Existenz und Eindeutigkeit werden wir später kennenlernen.
Berechnung von Determinanten durch Überführung in Dreiecksmatrizen
Eine Matrix A können wir durch Spaltenadditionen in eine Dreiecksmatrix B überführen, ohne die Determinante zu verändern. Dann ist det(A) = b11 … bnn. Zum Beweis dieser zweiten Diagonalprodukt-Regel beobachten wir:
Ist A singulär, so hat B eine Null auf der Diagonale, sodass det A = 0 = b11 … bnn. Andernfalls können wir B durch weitere Spaltenadditionen in eine Diagonalmatrix C verwandeln, ohne die Diagonaleinträge bii oder die Determinante zu verändern. Dann gilt det A = det B = det C = c11 · … · cnn = b11 · … · bnn.
Beispiel
Ausräumen oberhalb der Diagonale mit Hilfe von Spaltenadditionen zeigt:
det = det = det = 6.